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Vom tiefsten Tal der Schweiz zum schönsten Marathon-Ziel Europas Drucken E-Mail
Geschrieben von Peter Beil   
Montag, 19. Juli 2010

Vom tiefsten Tal der Schweiz zum schönsten Marathon-Ziel Europas

 und das bei 30°C und mehr im Schatten.
 
Initiiert von Klaus und Christian, hatten sich mehrere LSGlerInnnen zum Zermatt-Marathon gemeldet. So wollten 3 Staffeln und Ohannes und Jutta als Einzelstarter die Strecke angehen.

Die Vorfreude war groß. Einige hatten solch einen alpinen Berglauf noch nie bestritten und waren dementsprechend gespannt und alle freuten wir uns auf dieses Gemeinschaftserlebnis, zumal auch einige befreundete Läufer vom Lauftreff Ettlingen gemeldet waren. Wir waren in Grächen in verschiedenen Hotels untergekommen, wobei das höchstgelegene, an einem kleinen See, sicherlich das reizvollste war.

Kurz die Fakten zum Lauf: Über 1.900 Höhenmeter müssen auf 42,195 km bewältigt werden, um vom 1.116 Meter hoch gelegenen St. Niklaus im tiefsten Tal der Schweiz, über den Weltkurort Zermatt am Matterhorn, in die Mitte von 29 Viertausendern auf den 2.585 Meter hoch gelegenen Riffelberg am Gornergrat zu gelangen.

Der Wechsel vom 1. zum 2. Staffelläufer erfolgt in Zermatt und die erste Hälfte ist bestimmt die leichtere, da sie nur ca 600 hm aufweist. Und wie das so ist, wenn etwas von langer Hand geplant wird, zeichnete sich am Vortag schon ab, dass eine Staffel platzen würde. Christian nach einer längeren Krankheit noch nicht vollständig genesen, mußte auf seinen Start verzichten. Das konnte Klaus aber nicht von einem Start abhalten, der kurz entschlossen auf die gesamte Strecke umswitchte. So waren von uns noch 2 Staffeln übrig, nämlich Lisa und Valerie die in der Frauenkonkurenz starteten und Peter und Ulrike als Mixedteam bei den Ü80-Staffeln. Ü80 bezieht sich hier auf das addierte Alter beider Starter, wie Ihr hoffentlich erraten habt.

Der Service der Hotels war sehr gut und beinhaltete, dass wir am Laufmorgen mit dem hoteleigenen Bus zum Start heruntergebracht wurden. Eine Sorge weniger – was man von der Temperatur leider nicht sagen konnte. Schon früh zeichnete sich ein sehr heißer Tag ab und wie wir später mitbekamen, so heiß wie noch nie bei einem Zermatt-Marathon.

Im Startbereich herrschte noch eine lockere Atmosphäre, man begrüßte Bekannte und Freunde und versuchte den wenigen Schatten zu nutzen, der sich einem bot.

Der Start erfolgt in drei Blöcken. Zuerst die sogenannte Elite, sogenannt, weil es keine ernsthaften Kontrollen gab und sich Läufer dort einreihten die auch bei den Volksläufern gut aufgehoben gewesen wären, um 9:25. 10 Minuten später waren die Staffeln an der Reihe und weitere 2 Minuten danach die große Masse der Einzelläufer.

Die erste Hälfte der Strecke ist wirklich gut zu laufen. Es wechseln sich Asphalt-, Wald- und Naturwege ab, es geht durch Wald, über Wiesen und durch Ortschaften, also abwechslungsreich mit nicht zu schweren An- und Abstiegen. Die letzten km vor Zermatt haben dann Singletrailcharakter und erfordern bei schon schwindenden Kräften, dann doch erhöhte Konzentration.

Welch ein Empfang in Zermatt. Die Einkaufsstraße voller Menschen, die jeden Läufer mit viel Beifall empfingen. Super Stimmung. Ich wechselte auf Ulrike, die sich auf die beschwerlichere 2. Etappe machte und konnte dann beobachten, wie unsere LäuferInnen nach und nach diesen Bereich durchliefen.

Lisa lief eine gute, engagierte Hälfte und übergab in aussichtsreicher Position an Valerie. Ich war sehr gespannt, wie sich der weitere Verlauf entwickeln würde.

Mittlerweile hatten wir uns zusammen gefunden, um mit der Gornergrat-Bahn ins Ziel auf den Riffelberg zu fahren. Lisa und ich die Staffelläufer, Christian und Wolfgang (Valeries Wolfi und Fotograf  aller Bilder) als Begleitung und Lisas persönliche Fans in Form von Patentante und Onkel.

Von nun an ging’s wirklich bergauf. Für uns in der Bahn ein leichtes, aber doch nachvollziehbar, was die Läufer jetzt leisten mußten und das bei immer höheren Temperaturen. Tolle Aussichten eröffneten sich uns. Das Matterhorn zeigte sich fast vollständig, Zermatt wurde immer mehr zur Puppenstube und wir passierten die Haltepunkte in Findelbach, wo die Läufer die Bahnstrecke querten und Riffelalp, wo der ca 3 km lange Anstieg entlang der Bahnstrecke beginnt. Hier muß dann jeder an seine Grenzen laufen oder gehen.

Das diese Bahnstrecke schon seit über 100 Jahren (Eröffnung 1892) nichts von ihrer Attraktivität verliert, wurde mehr als deutlich. Bis zum Gornergrat, Streckenlänge von Zermatt aus 9,34 km, überwindet die Bahn 1485 hm mit Steigungen bis zu 20%. Und wer dann am höchsten Punkt aussteigt ist überwältigt und weiß, warum dieser Punkt der schönste Aussichtspunkt Europas genannt wird. Es eröffnet sich die Aussicht auf 20 Viertausender, den Gornergletscher und Findelgletscher, einfach unbeschreiblich.

Diesmal sind wir 2 Stationen früher ausgestiegen am Riffelberg, haben dann aber noch nachmittags die Fahrt fortgesetzt und sind auch sonntags nach mal dort hinauf. Denn, im Startgeld enthalten sind 3 Tage freie Fahrt mit den Bahnen und Bussen in der Region. So ist der Marathonstart fast geschenkt, wenn man bedenkt, was diese Fahrten sonst kosten.

Wir kamen mit den ersten Läufern am Ziel an. Mit diesen habe ich dann im großzügigen Duschzelt geduscht und, ich hatte meine Anstrengungen schon fast wieder vergessen, selbst ihnen, den Besten, war die Erschöpfung deutlich anzusehen.

Ausserhalb traf ich Ulrich Benz, einen der besten Läufer der Schwarzwaldbergläufe, der auf dem 7. Platz eingekommen war und ausgepowert die noch frischen Erinnerungen und Strapazen schilderte.

Am Ziel vorbei sah ich, dass sich unsere Gruppe auf einem guten Aussichtspunkt zusammengefunden hatte um unsere LäuferInnen früh genug zu sehen und gebührend zu empfangen.

Als erste kam Ulrike, gezeichnet aber kämpfend und errang für unsere Staffel den 3. Platz in der Kategorie. Schon bald danach kam auch Valerie, die ihren ersten ernsthaften Berglauf  sehr gut lief und mit Lisa zusammen bei den Frauenstaffeln den 2. Platz errang.

Nach und nach kamen auch unsere Einzelstarter, wobei Klaus, bei seinem unverhofften Marathon, genauso wie Jutta, bei ihrem geplanten, und Ohannes, als erfahrener Bergläufer, hervorragend oben an kamen. Ihnen, den Marathonis, gebührt wikliche Anerkennung.  Bei diesen äußeren Umständen und der schwierigen Strecke ist jede/r die/der durchhält ein wahrer Champion.

Wir hielten uns noch eine Zeit lang im Zielbereich auf. Zum Einen weil es wirklich schön dort oben war, zum Anderen mußten die Staffeln auch noch zur Siegerehrung und vor allem schmeckten die Getränke und selbst die etwas arg verkohlte Bratwurst jetzt besonders gut.

Alles in allem war es ein sehr schönes Laufwochenende. Jedem zu empfehlen der Spaß an anspruchsvollen Landschaftsläufen hat. Und im nächsten Jahr, zum 10jährigen Jubiläum, wird es einen zusätzlichen Ultralauf geben. Dann kann man bis hinauf auf den Gornergrat laufen.

 

LSG Karlsruhe Ü80, Peter Beil/Ulrike Hoeltz  4:08.01,8

LSG Karlsruhe, Lisa Gebhard/Valerie Knopf   4:20.57,9

Klaus Ehrle 4:34.30,9

Jutta Siefert 4:51.45,9 (23. gesamt)

Ohannes Sallak 4:52.25,0

 

Ausführlicher Bericht: http://www.laufreport.de/archiv/0710/zermatt/zermatt.htm

Ergebnisse: http://services.datasport.com/2010/lauf/zermattmarathon/

 
© 2010 LSG Karlsruhe